mit einer kleinen Dokumentation möchte ich auf ein interessantes Kapitel aufmerksam machen, dem leider nur sehr wenig Aufmerksamkeit zu teil wird.
Während die populären Sandzüge aus dem Ronneburger Revier für die Großbaustelle Stuttgart 21 in aller Munde sind, erfolgen die nicht minder interessanten Baustofftransporte für unser Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8.1 fast im Verborgenen.
Die Bauleistungen für VDE8.1 Erfurt - Ebensfeld wurden in drei Losen - Süd, Mitte und Nord - vergeben. Zum Zuge kam im Norden die Fa. Max Bögl aus Neumarkt in der Oberpfalz. Für den Süden und die Mitte erhielt jeweils die Fa. PORR den Zuschlag.
Der Fertigstellung sehr nahe ist Los Nord Erfurt - Ilmenau-Wolfsberg. Die Herstellung des Oberbaus ist bis auf den Einbau der Fahrschienen fast abgeschlossen. Für die beiden südlichen Lose hingegen erfolgte erst im Oktober 2013 der Baubeginn für den Oberbau.
Allen drei Losen bzw. beiden Technologien gemeinsam ist die Herstellung des Oberbaus Feste Fahrbahn mit vorgefertigten Gleistragplatten (GTP). BÖGL fertigt diese im Stammwerk in Neumarkt/Opf., PORR lässt sie von der Fa. Universalbeton im nordthüringischen Heringen herstellen.
Stark unterschiedlich ist aber die Technologie für den Einbau und damit auch die Logistik.
Für uns Eisenbahnfreunde interessant ist die Anlieferung der BÖGL'schen GTP auf dem Schienenweg. Mit Ganzzügen von DB Schenker Rail werden die Platten via Nürnberg und Erfurt - Lokwechsel - nach Arnstadt Gbf gefahren.
Da die Transporte in Kürze beendet sind, habe ich die interessanten Züge dokumentiert.

Am 30.03. bespannte 185 300 den 1600 Tonnen schweren Zug nach Arnstadt. Hier passiert sie die Großbaustelle für den viergleisigen Ausbau der Strecke Ebensfeld - Nürnberg südlich von Ebensfeld. Ladegut auf den sechsachsigen Samms-Wagen sind die Brückenplatten, die die feste Fahrbahn im Bereich auf den Brücken bilden.

Noch schwerer zu schleppen hatten 185 392 und 185 282 am 06.04.14. Rund 1800 Tonnen am Haken machten den Einsatz einer zweiten Lok notwendig. Bei der Durchfahrt durch den Bahnhof Vieselbach hat der Zug die erste Zwischenetappe, den Lokwechselbahnhof Erfurt Gbf gleich erreicht.

Eindrucksvoll gestaltet sich auch die Beförderung auf den letzten Kilometern bis Arnstadt Gbf. Zwei Gravitas der BR 261 bringen den Zug an sein Ziel.
261 047 und 261 015 bei Ingersleben.
Der Transport auf die Baustelle erfolgt vom Arnstädter Gbf mittels Lkw.
Völlig anders gestaltet sich der Ablauf auf den beiden PORR-Abschnitten. Im Hinblick auf die andere Technologie für die Herstellung des Oberbaus werden hier zunächst die 120 Meter langen Fahrschienen angeliefert.
Als Tarifbahnhof dient hierbei Coburg Gbf. Die Transporte erfolgen hierbei ebenfalls mit DB Schenker Rail und kommen aus Nürnberg Rbf. Auf diese Art und Weise kommen seit Oktober 2013 erstmals wieder regelmäßig Ellok-bespannte Güterzüge in das Coburger Land. Mindestens einmal wöchentlich erfolgten diese Fahrten bis Anfang April. Rund die Hälfte der Schienen ist angeliefert.
Den Weitertransport von Coburg ins Baufeld übernimmt eine 212 der Nordbayerischen Eisenbahn. Angebunden ist die NBS seit Juni 2013 über eine Verbindungskurve, die auch der späteren Anbindung Coburgs an den ICE-Verkehr dient. Die rund 1,5km lange Kurve zweigt bei Dörfles-Esbach von der Strecke Coburg - Sonneberg ab.

Die Abholung der vorerst letzten leeren Schienen-Transportwagen erfolgte am 07.04.14 mit 185 283. Hier verlässt der Zug Ebersdorf bei Coburg.

Als erste richtige Züge erreichen die Schienentransporte von Coburg aus die NBS. Am Ende der Verbindungskurve werden die Langschienen von den Transportwagen abgezogen und mit einem Spezialtransporte an ihre Einbaustelle zwischen Ilmenau und Ebensfeld transportiert.
Ich freue mich, wenn mein kurzer Einblick in dieses andere Kapitel der Eisenbahn in Thüringen etwas Anklang gefunden hat.

Tobias